Die Nachhaltigkeitsstrategie ist kein fernes Ziel: Sie ist konkrete Wirklichkeit.
Nachhaltige Entwicklung ist wie ein langer Gipfelaufstieg: Wenn man ihn in einer guten Seilschaft bezwingt, kann man stolz ins Land hinunter schauen.

Im Bergsteigerland Südtirol wissen alle: Den Gipfel erreicht man nicht im Sprint. Es braucht einen langen Atem, am besten gepaart mit Erfahrung und Planung. Noch viel mehr trifft das auf die nachhaltige Entwicklung zu: Es braucht viele, viele Schritte. Manchmal könnte man verzagen, weil der Gipfel noch weit weg scheint. Es hilft die Zuversicht: Mit Ausdauer kann man es schaffen.
Auf diese Ausdauer und Zuversicht setzt auch die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Südtirol: „Wir sind noch nicht dort, wo wir sein wollen, aber wir fangen nicht bei Null an“ steht am Anfang eines Kapitels im Strategiepapier „Everyday for future“, und weiter: „Eine Strategie, die nicht auf Bestehendem aufbaut, ist meist wenig erfolgreich.“ Die Erfahrung wird hier als wertvolle Ressource entdeckt: Wer diese nutzt – so heißt es im Strategiepapier, kann viel Energie sparen.

 

Acht Beispiele im Lichte der Nachhaltigkeit

Südtirol hat viele dieser Erfahrungen. Es gibt unzählige Beispiele dafür, dass Nachhaltigkeit in unserem Land schon seit langem ein Ziel ist. Acht solche Beispiele stellt LP auf den folgenden Seiten vor. Sie sind sehr vielfältig – reichen sie doch vom Klimaplan, an dem sich alle Südtirolerinnen und Südtiroler noch bis Jahresende beteiligen können, über den Einsatz gegen die Lebensmittelverschwendung oder nachhaltige Mobilität bis zu den Vorteilen der energetischen Sanierung sowohl bei landeseigenen  als auch privaten Gebäuden oder der Revitalisierung von Flüssen. Andere Beispiele machen noch etwas deutlich: Beim Begriff Nachhaltigkeit denkt man schnell an Klimaschutz, Umweltschutz, oft auch an Innovation und Technik. Doch auch ein Thema wie der Denkmalschutz hat viel mit Nachhaltigkeit zu tun. In ihrem Gastartikel zeigt Landeskonservatorin Karin Dalla Torre auf, dass gerade alte Gebäude und ein Qualitätsanspruch bei der Baukultur in einem viel weiteren Sinn ein Zeichen für nachhaltige Entwicklung sind. Schließlich darf die Bildung nicht fehlen: Hier kommt die Jugend selbst mit ihren in Schulaufsätze gegossenen Gedanken zu Wort – und zwar in allen drei Landessprachen, denn auch die Bewahrung der Vielfalt an Sprachen, Kulturen und Traditionen gehört zur Nachhaltigkeit.

 

 

Erstmals arbeitet das Land Südtirol an einem Radmobilitätsplan.

Das Startpaket für den langen Aufstieg

Acht Artikel zu acht verschiedenen Themen: Es ist nur eine kleine Auswahl. Aber sie zeigt genau diesen Erfahrungsschatz auf, auf den sich aufbauen – und somit viel Energie sparen lässt. Hier knüpft das Strategiepapier in seinem letzten Kapitel an: Dort listet es erste konkrete Verpflichtungen für die kommenden zehn Jahre auf. Mehr als 80 solcher Vorhaben aus allen Ressorts sind dort zusammengekommen (siehe „Erste konkrete Verpflichtungen“).
Ob es kleine Schritte oder gar zu ehrgeizige Ziele sind, beurteilt das Strategiepapier nicht. Wichtiger ist den Verantwortlichen der Hinweis: Das ist erst der Anfang! Diese Liste darf gar nicht vollständig sein. Sie muss anwachsen. So hat die Landesregierung seit der Präsentation der Nachhaltigkeitsstrategie bereits weitere Schritte gesetzt: Vorschläge wie die höhere Besteuerung leer stehender Wohnungen oder die Initiative „Licht aus“, mit der unnötige nächtliche Beleuchtung vermieden werden soll, sind ganz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Die Landesverwaltung selbst arbeitet unter anderem daran, zu einer „plastic free“ Verwaltung zu werden.

All dies zeigt: Nachhaltigkeit ist kein Zustand, sondern eine Entwicklung. Die im Strategiepapier aufgelisteten Verpflichtungen sind so etwas wie ein Startpaket. Oder – um zur Bergsteigersprache zurückzukehren – das nahrhafte Frühstück, das die erste wertvolle Energie für den langen Aufstieg liefert. Auf dem Weg zum Gipfel braucht es viele weitere Schritte. Und im Strategiepapier werden die Verantwortlichen nicht müde, zu betonen, dass diesen Weg hoffentlich alle gemeinsam mitgehen: Bevölkerung, Interessensgruppen, Verwaltung, Politik. Wer am Ende gemeinsam stolz auf einem schwierigen Gipfel stehen will, braucht eine gut eingespielte Seilschaft. Für ein nachhaltiges Südtirol braucht es das ganze Land.

Im Strategiepapier stehen auch mehr als 80 konkrete Verpflichtungen bis 2030.

ERSTE KONKRETE VERPFLICHTUNGEN

 

Gleichstellung, CO2-Reduktion, Gesundheitszentren und vieles mehr… all das ist bei einer Art Bestandsaufnahme von mehr als 80 konkreten Verpflichtungen für eine nachhaltige Entwicklung von 2021 bis 2030 herausgekommen. Zum  Teil sind diese Vorhaben ein direktes Ergebnis der Beschäftigung mit der Nachhaltigkeitsstrategie. Zum Teil aber waren sie als Pläne der Ressorts der neun Landesregierungsmitglieder bereits vorhanden und sind nun erfasst und im Strategiepapier festgehalten worden.

 

Hier ein Auszug:

Es sind große Pläne dabei wie der Landessozialplan, der Familienförderplan und der Gleichstellungsaktionsplan.
Man will 70 batteriebetriebene Busse anschaffen. Ein Tourismusentwicklungsplan soll den nachhaltigen Tourismus fördern. Man strebt eine klimapositive Obstwirtschaft an, eine ganzheitliche Strategie für Kreislaufwirtschaft, ein erneuertes Landschaftsleitbild, zwei neue Gesundheitszentren, eine klimaneutrale Verwaltung, mehr digitale Dienste für die Bürgerinnen und Bürger, reglementierten Verkehr und nachhaltige Mobilitätsformen auf den sensiblen Bergpässen, 100 Prozent organische Dünger in der Weinwirtschaft, weniger Schulabbruch, sämtliche Gesundheitseinrichtungen mit nachhaltiger Energie versorgen, die öffentlichen Verkehrsmittel stärker takten: zwischen Meran und Bozen genauso wie in entlegenen Ortschaften. Und auch die Datenstraße soll so ausgebaut werden, dass 100 Prozent der Bevölkerung mit Breitband versorgt sind. Der Energieverbrauch der Landes- und Gemeindeverwaltungen, aber auch der Pro-Kopf-CO2-Ausstoß bis 2030 um konkrete Kennzahlen signifikant sinken, ebenso der fossile Treibstoffverbrauch. Gleichzeitig soll die Produktion aus erneuerbaren Quellen auf 80 Prozent erhöht werden.

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